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Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Die Informationen zum Erasmus+-Programm habe ich in erster Linie über die Informationsveranstaltungen sowie das International Office der Universität Potsdam erhalten. Zusätzlich war die Website der Universität Potsdam eine wichtige Informationsquelle. Insgesamt empfand ich den Informationsstand als sehr gut und übersichtlich, sodass ich mich frühzeitig und umfassend auf den Auslandsaufenthalt vorbereiten konnte.

Die Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule, der Sciences Po Bordeaux, verlief von Beginn an einwandfrei. Die Kommunikation war stets professionell, zuverlässig und freundlich. Insbesondere die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner im International Office der Gasthochschule standen bei Rückfragen hilfsbereit zur Seite. Auch das International Office der Universität Potsdam begleitete den gesamten Prozess sehr engagiert, fürsorglich und unterstützend, was mir viel Sicherheit während der Vorbereitungsphase gegeben hat.

Für die Bewerbung an der Gasthochschule mussten mehrere Unterlagen eingereicht werden, darunter das Learning Agreement, ein Transcript of Records sowie ein Sprachnachweis über Englisch auf C1-Niveau für den International Track der Sciences Po Bordeaux. Zudem war eine offizielle Nominierung durch die Universität Potsdam erforderlich. Der Bewerbungsprozess war insgesamt gut strukturiert und nachvollziehbar, allerdings auch sehr zeitaufwendig, insbesondere aufgrund der Vielzahl an einzureichenden Dokumenten und einzuhaltenden Fristen.


Studienfach: M.A. Politikwissenschaften

Aufenthaltsdauer: 08/2025 – 12/2025

Gastuniversität: Science Po Bordeaux

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem an der Sciences Po Bordeaux unterscheidet sich in mehreren Punkten deutlich vom Studium an deutschen Universitäten. Der Lehrbetrieb ist insgesamt sehr stark verschult und folgt einem eher top-down sowie autoritär geprägten Ansatz. Im Vordergrund steht vor allem die strukturierte Vermittlung sowie die Aufnahme und Abfrage von erlerntem Wissen. Kritisches Hinterfragen der Lehrinhalte oder eine aktive Mitdiskussion im Seminar waren im Vergleich zu deutschen Hochschulen nur in begrenztem Maße vorgesehen.

Besonders gewöhnungsbedürftig empfand ich die strikte Anwesenheitspflicht in den Lehrveranstaltungen. Diese ist verbindlich geregelt und setzt bei Krankheit die Vorlage eines ärztlichen Attests voraus, was einen erhöhten organisatorischen Aufwand bedeutet. Trotz dieser formalen Strenge waren die fachlichen Anforderungen insgesamt mit denen an deutschen Universitäten gut vergleichbar.

Das Studienklima an der Gasthochschule habe ich insgesamt als sehr angenehm empfunden. Die Atmosphäre war offen, international und von einem respektvollen Umgang geprägt. Studierende aus vielen verschiedenen Ländern trugen zu einem intensiven interkulturellen Austausch bei, der das Studium zusätzlich bereicherte.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Während meines Aufenthalts hatte ich überwiegend Kontakt zu internationalen Studierenden, gleichzeitig aber auch zu französischen Studierenden. Besonders hilfreich für den Austausch mit einheimischen Studierenden waren die zahlreichen studentischen Associations, in denen man sich engagieren kann. Diese reichen von kulturellen und musikalischen Gruppen, wie Musikensembles oder Bands, bis hin zu politischen und gesellschaftlichen Initiativen, etwa queeren oder feministischen Gruppen. Die Beteiligung an diesen studentischen Organisationen erleichterte die Integration in den Hochschulalltag und förderte den interkulturellen Austausch deutlich.

Darüber hinaus entstanden Kontakte durch Gruppenarbeiten im Studium sowie durch Aktivitäten des Erasmus-Netzwerks, das Ausflüge, gemeinsame Veranstaltungen und auch Partys organisierte. Neben diesen formelleren Angeboten entwickelten sich im Laufe des Alltags auch private Kontakte und Freundschaften, die meinen Aufenthalt sowohl sozial als auch persönlich sehr bereichert haben.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Zu Beginn meines Auslandsaufenthalts verfügte ich über keinerlei Französischkenntnisse (A0). Kurz vor meiner Abreise aus Frankreich und nach absolviertem Sprachkurs bestand ich aber die A2-Prüfung. Der Sprachkurs ist dringendst zu empfehlen! Aber auch durch den Alltag in Frankreich, den Kontakt mit französischen Studierenden sowie das Leben in der Stadt Bordeaux konnte ich meine Französischkenntnisse im Laufe des Aufenthalts kontinuierlich verbessern.

Darüber hinaus hat sich auch meine englische Sprachkompetenz deutlich weiterentwickelt. Da der International Track an der Sciences Po Bordeaux vollständig auf Englisch unterrichtet wird, konnte ich insbesondere mein fachlich relevantes Englisch im Bereich der Politikwissenschaften vertiefen und sicherer anwenden, sowohl in Lehrveranstaltungen als auch in akademischen Diskussionen und schriftlichen Leistungen.

Wohn- und Lebenssituation

Meine Unterkunft habe ich bereits etwa vier Monate vor Beginn des Auslandsaufenthalts gefunden. Dabei waren Erfahrungsberichte ehemaliger Austauschstudierender eine wichtige Orientierungshilfe. Der Vermieter (Marzat) ist auf internationale Studierende spezialisiert und bietet vor allem möblierte Wohnungen in sehr zentraler Lage an. Die Wohnungen befinden sich teilweise in einem eher rustikalen und mitunter problematischen Zustand, sind dafür jedoch vergleichsweise günstig und sehr gut gelegen (direkt am Marche des Capucins).

Ich lebte in einer Wohngemeinschaft mit anderen internationalen Studierenden. Auch weitere Kommilitoninnen und Kommilitonen, die beim selben Vermieter untergebracht waren, wohnten in unmittelbarer Umgebung, was den sozialen Austausch im Alltag erleichterte. Die Zimmer waren möbliert, allerdings mussten sämtliche Verträge für Gas, Strom, Wasser und Internet eigenständig abgeschlossen werden. Ohne ausreichende Französischkenntnisse stellte dies insbesondere zu Beginn eine große Herausforderung dar.

Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr war ausgezeichnet. Zusätzlich bestand die Möglichkeit, kostenlos ein Fahrrad zu nutzen (von der Stadt zur Verfügung gestellt für 10 Monate, Ausleihe per Termin), wodurch die Wege innerhalb der Stadt sehr gut zu bewältigen waren. Die Entfernung zur Universität betrug etwa 30 Minuten und war sowohl mit dem Fahrrad als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos zu erreichen. Für Bankgeschäfte reichte ein deutsches Bankkonto vollkommen aus; die Eröffnung eines französischen Kontos war nicht notwendig.

Die Lebenshaltungskosten in Bordeaux sind im Vergleich zu Deutschland insgesamt etwas höher, können jedoch je nach Situation auch günstiger ausfallen, insbesondere durch zahlreiche Studierendenvergünstigungen. Bordeaux bietet ein sehr vielfältiges kulturelles Leben mit zahlreichen Bars, Restaurants und kulinarischen Angeboten. Besonders hervorzuheben sind die regionale Weinkultur sowie die Nähe zur Atlantikküste, die unter anderem für ihre Austern bekannt ist. Insgesamt bietet die Stadt ein sehr lebendiges, offenes und studierendenfreundliches Umfeld.

Studienfach: M.A. Politikwissenschaften

Aufenthaltsdauer: 08/2025 – 12/2025

Gastuniversität: Science Po Bordeaux

Gastland: Frankreich

Rückblick

Rückblickend hat sich mein Erasmus+-Aufenthalt in jeder Hinsicht gelohnt, und ich würde ihn uneingeschränkt weiterempfehlen. Der Aufenthalt bedeutete, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich auf neue akademische, sprachliche und kulturelle Herausforderungen einzulassen. Dadurch konnte ich nicht nur meine Sprachkenntnisse erweitern und neue Menschen kennenlernen, sondern mich auch international vernetzen und neue Perspektiven auf meine eigenen Bedürfnisse sowie auf die Lebensrealitäten anderer entwickeln. Insbesondere meine interkulturelle Kompetenz, Anpassungsfähigkeit und Selbstständigkeit haben sich durch den Auslandsaufenthalt deutlich gesteigert.

Tipps für nachfolgende Studierende

Nachfolgenden Studierenden würde ich empfehlen, sich möglichst frühzeitig um eine Unterkunft zu kümmern, da der Wohnungsmarkt in Bordeaux sehr angespannt ist. Zudem ist es ratsam, eher in der Stadt als in unmittelbarer Nähe der Universität zu wohnen, da das studentische Leben, kulturelle Angebote und soziale Kontakte vor allem im Stadtzentrum stattfinden.

Bezüglich der Sprache sollte man sich keine allzu großen Sorgen machen: Englisch ist im akademischen Kontext und im Alltag weit verbreitet und ausreichend, um gut zurechtzukommen. Französischkenntnisse entwickeln sich im Laufe des Aufenthalts ganz automatisch. Darüber hinaus sollten sich zukünftige Austauschstudierende nicht vom stark verschulten und teilweise autoritär wirkenden Universitätssystem einschüchtern lassen. Auch wenn die Anwesenheitspflicht zunächst ungewohnt ist, sind die Prüfungen am Ende gut machbar und fair gestaltet.

Besondere gute oder weniger gute Erfahrungen

Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind mir die Offenheit und Freundlichkeit der französischen Studierenden sowie der Menschen im Alltag, sowohl an der Universität als auch außerhalb. Auch die Umgebung von Bordeaux bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Ein persönliches Highlight war die Nähe zur Atlantikküste und insbesondere die Möglichkeit, in Lacanau-Océan surfen zu gehen.

Als weniger angenehm empfand ich zu Beginn die strikte Anwesenheitspflicht, da bereits bei leichten Erkrankungen ein Arztbesuch erforderlich ist. Dies bedeutet zunächst zusätzliche organisatorische und finanzielle Aufwände, da ärztliche Rechnungen in Vorleistung bezahlt werden müssen, bevor die Erstattung durch die deutsche Krankenkasse erfolgt.


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