Ein Elefant, der nachts durch ein Maisfeld zieht, kann die Ernte einer ganzen Kleinbauernfamilie zunichtemachen. Derselbe Elefant ist am nächsten Tag aber genau das Tier, für dessen Anblick Safaritouristen bereit sind, viel Geld zu bezahlen. Diese Doppelrolle – Bedrohung für die einen, Attraktion und wirtschaftliche Chance für die anderen – steht beispielhaft für die komplexen Mensch-Tier-Beziehungen in der Region. Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, führte das Forschungsteam Interviews mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie mit Safaritouristinnen und -touristen durch. Auf Basis der Befragungen der lokalen Gemeinschaften ordneten die Forschenden die Säugetierarten vier Gruppen zu: domestizierte Arten wie Rinder, gefährliche Arten wie Löwen, ambivalente Arten mit positiven und negativen Auswirkungen wie Elefanten sowie weitgehend neutrale Arten wie kleine Antilopen.
Die Befragung der Touristinnen und Touristen zeigte, dass vor allem ikonische „Big Five“-Arten wie Elefant, Löwe oder Büffel die Erwartungen an Safari-Erlebnisse prägen. Diese hohen Erwartungen an die Sichtbarkeit dieser Arten können bestehende Spannungen verstärken: Naturschutzmaßnahmen, die den Tourismus fördern sollen, können gleichzeitig den Druck auf die lokale Landwirtschaft erhöhen. Die Ergebnisse machen auch zwei zentrale Konfliktlinien sichtbar: zum einen zwischen Ackerbau und Wildtiertourismus, zum anderen zwischen Nutztierhaltung und dem Schutz großer Raubtiere. Während Kleinbauern Elefanten und Löwen oft als Bedrohung für ihre Lebensgrundlage wahrnehmen, sind diese ikonischen Arten für Safaritourist:innen oft der wichtigste Grund für ihre Reise nach Namibia.
„Indem wir die Perspektiven unterschiedlicher Interessengruppen zusammengeführt haben, konnten wir zeigen, wie unterschiedlich Tierarten bewertet werden und welche Zielkonflikte daraus entstehen“, erläutert der Erstautor Magnus Dobler. „Unsere Erkenntnisse können dazu beitragen, politische Strategien zu entwickeln, die den Artenschutz besser mit den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung verbinden“, ergänzt Dr. Liana Kindermann, Postdoktorandin in der Arbeitsgruppe für Biodiversitätsforschung und Spezielle Botanik der Universität Potsdam.
Die Studie macht deutlich: Erfolgreiche Koexistenz zwischen Mensch und Tier erfordert mehr als reine Schutzmaßnahmen. Entscheidend ist eine integrative Landnutzungsplanung, die die Lebensgrundlagen lokaler Gemeinschaften ebenso berücksichtigt wie die wirtschaftliche Bedeutung des Naturtourismus und den langfristigen Erhalt der biologischen Vielfalt.
Die Studie online: Magnus Dobler, Liana Kindermann, Steffanie Mantik, (…) Anja Linstädter, Ecosystem services and disservices of wild and domestic mammals: Contrasting farmers' perceptions and tourists' demands in an African coexistence landscape, Ecosystem Services (2026): https://doi.org/10.1016/j.ecoser.2026.101877
Fotos:
2026_063_Elefanten Touristen_Anja_Linstädter: Touristen in (Beinahe-)Interaktion mit einem Elefanten. Foto: Anja Linstädter
2026_063_Elefantenschäden_Anja_Linstädter: Elefantenschäden an Hütten. Foto: Anja Linstädter
Kontakt:
Dr. Liana Kindermann, Institut für Biologie und Biochemie
E-Mail: liana.kindermannuuni-potsdampde
Medieninformation 13-07-2026 / Nr. 063