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Lernort Zimbabwe - Botschafterin Alice Mashingaidze informierte sich über ein Studienprojekt der Geographie

  • Die Botschafterin der Republik Zimbabwe I.E. Alice Mashingaidze mit Projektleiter Prof. Dr. Manfred Rolfes und Dr. Pola Serwene.
    Foto: Antje Horn-Conrad
    Die Botschafterin der Republik Zimbabwe I.E. Alice Mashingaidze mit Projektleiter Prof. Dr. Manfred Rolfes und Dr. Pola Serwene.
  • Die Botschafterin der Republik Zimbabwe I.E. Alice Mashingaidze und Uni-Präsident Prof. Oliver Günther, Ph.D.
    Foto: Antje Horn-Conrad
    Die Botschafterin der Republik Zimbabwe I.E. Alice Mashingaidze und Uni-Präsident Prof. Oliver Günther, Ph.D.
  • Bei einem interkulturellen Workshop mit jungen Erwachsenen und Studierenden aus Zimbabwe
    Foto: Gerd Antepohl
    Bei einem interkulturellen Workshop mit jungen Erwachsenen und Studierenden aus Zimbabwe

Die Botschafterin der Republik Zimbabwe I.E. Alice Mashingaidze besuchte am vergangenen Freitag die Universität Potsdam, um sich über die Ergebnisse eines besonderen Studien- und Lehrprojekts zu informieren. Prof. Dr. Manfred Rolfes, Professor für Angewandte Humangeographie und Regionalwissenschaften, war Anfang des Jahres mit 14 Lehramtsstudierenden nach Zimbabwe gereist, um vor Ort Fragen der Klimagerechtigkeit zu diskutieren und den Blick für unterschiedliche Wahrnehmungen, Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten im Globalen Norden und Globalen Süden zu schärfen. Dr. Pola Serwene aus der Geographischen Bildung brachte dabei die fachdidaktische Perspektive für einen vielfaltorientierten, rassismuskritischen Unterricht ein, auf deren Grundlage die Studierenden eigene Forschungsprojekte entwickelten. 

Auf ihrer 2.200 Kilometer langen Route durch Zimbabwe hatten die Studierenden urbane Räume, Orte der Transformation, ländliche Regionen mit großen Herausforderungen und historische Kulturstätten kennengelernt. Ob in den lebhaften Innenstädten von Harare und Mutare, auf informellen Märkten, bei Begegnungen im dörflichen Alltag, in Hospitationen an Schulen oder beim Besuch des Hillside Teachers College in Bulawayo – überall nutzten sie die Möglichkeit, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen. Sie führten Interviews mit Lehrkräften und Forschenden, mit Selbstständigen und Angestellten, mit Fachleuten aus Politik und Wirtschaft. Dabei stellte sich ihnen auf unterschiedlichen Ebenen immer wieder neu die Gerechtigkeitsfrage: zwischen Stadt und Land, zwischen Arm und Reich, zwischen Globalem Norden und Globalem Süden. In der Reflexion ihrer ursprünglichen Erwartungen und des tatsächlich Erlebten sahen sich die Studierenden auch mit sich selbst und ihrer eigenen Rolle konfrontiert.

In einem interkulturellen Workshop mit jungen Erwachsenen und Studierenden aus Zimbabwe sei jedoch schnell klargeworden, dass bei aller Unterschiedlichkeit der Lebenswirklichkeiten die Sorgen um die Zukunft dieselben sind.
 Genau für diesen Perspektivwechsel sei es so wichtig, einander kennenzulernen, sich auszutauschen und zu verstehen, dass die großen globalen Probleme wie die Klimakrise nur gemeinsam, in einem weltweiten Miteinander, zu bewältigen sind, betonten sowohl Botschafterin Alice Mashingaidze als auch der Präsident der Universität Potsdam, Prof. Oliver Günther, Ph.D., in ihren Grußworten. Die Dringlichkeit, das Ausmaß und die Gefährdungen durch die voranschreitende Erderwärmung wurden im Projekt deutlich hervorgehoben, so Manfred Rolfes. Zimbabwe gehöre zu jenen Regionen im südlichen Afrika, in denen eine hohe Vulnerabilität und geringe Anpassungskapazität auf zunehmende Extremwetterereignisse und Klimaveränderungen treffen. Die Landwirtschaft, Lebensgrundlage für große Teile der Bevölkerung, stehe bereits jetzt unter massivem Druck. Gleichzeitig verfüge Zimbabwe über eine Vielzahl an innovativen, lokal und national verankerten sowie indigenen Resilienz- und Anpassungsstrategien. Vor diesem Hintergrund verfolge das Lehrprojekt das Ziel, angehende Geographielehrkräfte für die komplexen Zusammenhänge globaler Herausforderungen zu sensibilisieren und im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu qualifizieren.


Dafür haben die Studierenden während ihrer Reise Forschungsprojekte entworfen, die sie auf der Veranstaltung vorstellten und im kommenden Semester bearbeiten werden. Darin geht es zum Beispiel um die Frage, ob ausländische Direktinvestitionen als Transformationsmotor oder Hemmschuh wirken. Oder ob sich angesichts zunehmender Einfuhr günstiger Produkte aus dem Ausland die ausgeprägte Reparaturkultur im Land erhalten lässt? Das Spektrum der Forschungsthemen reicht von der Lebenswirklichkeit zimbabwischer Frauen und den besonderen Herausforderungen von Unternehmerinnen bis zu aktuellen Fragen der Migration: Welche Bedeutung haben etwa familiäre Beziehungen und transnationale Netzwerke für die Entscheidung junger Menschen, ihre Heimat zu verlassen? Auf die Klimabildung an Schulen bezogen untersuchen zwei Studentinnen, wie indigenes Wissen über traditionelle Wettervorhersagen und ein angepasstes Umweltmanagement in den Unterricht integriert wird. Die Ergebnisse aller Arbeiten sollen später in einem Sammelband publiziert werden, kündigte Pola Serwene an.
Die Studierenden kamen abschließend noch einmal im Projektfilm zu Wort, in dem Filmemacher Gerd Antepohl die Eindrücke, Erlebnisse und Lernprozesse vor Ort dokumentierte und dabei auch die besonders emotionalen Momente und Begegnungen festhielt, zu denen zweifellos das gemeinsame Mattenflechten, Wasserholen, Holzsammeln, Maismahlen und Kochen im Dorf Mahenye gehörten.  
Die Exkursion, zu deren Organisatoren auch Geographin Dagmar Bode aus der Arbeitsgruppe von Manfred Rolfes gehörte, ist vom International Office der Universität mit Mitteln aus dem EU-Förderprogramm Erasmus+ ermöglicht worden. Weitere Unterstützung kam von Faye Eggert, die die Exkursionsgruppe begleitete und die Studienreise mit vorbereitete.
 

Zum Video über die Exkursion der Studierenden in Zimbabwe: https://videoup.uni-potsdam.de/Panopto/Pages/Viewer.aspx?tid=f13942ae-6a60-4231-a1a1-b48700df86de