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Von der Savanne nach Gülpe – Studierende aus Namibia waren zu Gast an der Uni Potsdam

  • Forschende bei einem Praktikum in Außenanlagen.
    Foto: Dr. Katja Geißler
    Mit anderen Forschenden bei einem Praktikum zu Trockenlandgewächsen.
  • Zwei Personen bei Vermessungen im Feld.
    Foto: Dr. Katja Geißler
    Vermessungen im Feld.
  • Zwei Personen bei Untersuchungen von aufgereihten Pflanzen auf dem Boden.
    Foto: Dr. Katja Geißler
    In der ökologischen Forschungsstation Gülpe.
  • Zwei Kanus im Wasser. Darin sitzen Personen und lachen.
    Foto: privat
    Mit ihren Gastgebern auf Kanutour im Spreewald.
  • Eine Person auf einem Fahrrad.
    Foto: PD Dr. Niels Blaum
    Auch Fahrradfahren haben Venancia und Rebbeka bei ihrem Aufenthalt in Brandenburg gelernt.
  • Vier Personen posieren für ein Foto auf einer Treppe.
    Foto: Ernst Kaczynski
    Zum Abschluss gab es eine Urkunde mit Creditpoints für die belegten Kurse.

Wandernde Elefanten und schattenspendende Mopane-Bäume. Damit befassen sich Venancia Haingura und Rebbeka Fillepus aus Namibia normalerweise in ihrer Forschung. Nun empfingen die Ökologen PD Dr. Niels Blaum und Dr. Katja Geißler die Studierenden aus Namibia an der Universität Potsdam. Vier Wochen lang besuchten die beiden Vorlesungen und Seminare, nahmen an Exkursionen teil und sahen in der Uni-Forschungsstation im brandenburgischen Gülpe seltene Tier- und Pflanzenarten. Dabei stellten sie auch ihre eigenen Arbeiten vor und konnten sich mit anderen Ökologen über ihre Forschung austauschen. 

Niels Blaum und Katja Geißler sind regelmäßig wissenschaftlich unterwegs in Namibia. Etwa für OPTIMASS, eine namibisch-deutsche Kooperation zum nachhaltigen Management von Savannen-Ökosystemen und dessen Nachfolgeprojekt ORYCS, das untersucht, wie sich Wildtiermanagement im Vergleich zur Nutztierhaltung auf die Erhaltung der Savannen auswirkt. Die enge Zusammenarbeit bei der Erforschung der Savannenökologie hat viele Untersuchungen in Namibia mit sich gebracht und es einigen Promovierenden ermöglicht, ihre Dissertationen auf der Grundlage vor Ort erhobener Daten zu schreiben. Dafür gingen die Forschungsreisen jedoch vor allem in eine Richtung – bis jetzt. 

Austausch auf Augenhöhe

„Frau Geißler und Herr Blaum waren die besten Gastgeber, die man sich wünschen kann“, sagt Venancia Haingura am Ende ihres Aufenthalts in Deutschland. „Wir haben viele Forschungsgruppen kennengelernt und Seminare besucht. In Gülpe hatten wir einen Kurs zur Pflanzenökologie, wofür sich der Ort mit seinen seltenen Arten perfekt eignet. Es war eine wertvolle Erfahrung“, ergänzt Rebbeka Fillepus. Tatsächlich hatten sich die beiden Studentinnen und ihre Gastgeber vor der Reise noch nie gesehen, während eines Zoom-Meetings zur Vorbereitung blieben die Kameras aus. „Wir waren etwas nervös, weil wir nie zuvor in der Gastgeberrolle waren. Wir hatten schon Studierende über unser Tandemprojekt nach Potsdam geholt, aber diesmal haben wir alles selbst organisiert. Leider gab es Schwierigkeiten mit ihren Schengen-Visa, weshalb sie statt fünf nur vier Wochen bleiben konnten“, erklärt Katja Geißler. Finanziert wurde ihr Aufenthalt mit Mitteln aus dem Innovationsfond des Präsidenten der Universität Potsdam, Prof. Oliver Günther, Ph.D.  

Rebbeka und Venancia absolvieren aktuell ihr Bachelor Honours Degree. In Commonwealth-Ländern wie Australien, Kanada oder Namibia gibt es mit den Honours eine Art Stufe zwischen Bachelor und Master, bei der Studierende sich mit einem Forschungsprojekt und einer Abschlussarbeit auf eine spätere Spezialisierung im Master vorbereiten. Rebekka studiert Geospatial Sciences, während Venancia ihr Honours Degree in Wildlife Management and Conservation macht. In Potsdam stellten die beiden ihre Forschungsarbeit vor: „Es ist beeindruckend, auf welchem Niveau die beiden schon forschen und ihre Ergebnisse erklären. Für Bachelorstudierende ist das wirklich außergewöhnlich und es braucht viel Mut, vor einer Forschungsgruppe im Ausland eine Präsentation zu geben“, sagt Niels Blaum.

Parallelen im Klimawandel

In ihrer Arbeit beschäftigt sich Venancia mit den Wanderungsbewegungen von Elefanten in der Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area, einem grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet im Süden Afrikas. Mithilfe von GPS-Daten will sie herausfinden, welche Orte die Dickhäuter bevorzugen: „Sie suchen gezielt nach Gebieten mit einfachem Zugang zu Nahrung und Wasser und vermeiden die Nähe zu Siedlungen und das Hochland, wo Fortbewegung mehr Energie kostet.“ In einem ähnlich angelegten Projekt hatte ein Doktorand von Niels Blaum vor einigen Jahren die Bewegungsmuster von Feldhasen in Brandenburg aufgezeichnet und aus den Ergebnissen abgeleitet, wie sich deren Aktivität an Tagen mit höheren Temperaturen verändert. 

Rebbeka befasst sich hingegen mit der Vegetation, speziell mit dem Mopane-Baum, einer weitverbreiteten Art im Etosha-Nationalpark im Norden Namibias, die vielen einheimischen Tieren als Nahrungsquelle dient und Schatten spendet. Auch sie untersucht, wie diese Art auf sich verändernde klimatische Bedingungen reagiert. Sie erkennt Parallelen zu Deutschland: „Wir beobachten, dass sich die Verteilung von Niederschlägen verändert. Es gibt mehr Trockenheit und zugleich häufiger Starkregen.“ Was ein Problem für viele Namibier darstellt, die als Subsistenzbauern auf eine gute Ernte angewiesen sind.   

Das ORYCS-Programm ist abgeschlossen, doch die enge Zusammenarbeit mit Namibia wird fortgeführt. „Aktuell bewerben wir uns für ein DFG-Graduiertenkolleg mit dem Namen WildCLIM – Wildlife Health in Changing Enviroments under Changing Climate. Unsere Idee ist es, eine Gruppe von Wildtieren von einer gemäßigten in eine heiße Region zu bringen und deren Reaktion auf Hitzestress zu beobachten“, erläutert Niels Blaum. Eine Gelegenheit, die Kollaboration mit Namibia zu pflegen und weiter voneinander zu lernen: „Wir können uns viel von euch abschauen. Zum Beispiel die Offenheit, mit der ihr auf neue Menschen und Forschungsthemen zugeht“, sagt Katja Geißler ihren Gästen. Und vielleicht können Rebbeka und Venancia in ein paar Jahren als Doktorandinnen ihre Expertise in das Forschungsprojekt einbringen.