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Zehn Fragen für ein Buch – „Multitude of Western Traditions: The Imagined Jew in Europe and the North American Sphere from 1700 until the Present“

  • Collage aus Buchcover und Foto der Autorin
    Foto: privat

Zehn Fragen für ein Buch, gestellt an Dr. Julia Pohlmann, Herausgeberin und Mitautorin des Buches „Multitude of Western Traditions: The Imagined Jew in Europe and the North American Sphere from 1700 until the Present“, Universitätsverlag 2026.

Was steht in Ihrem Buch – in drei Sätzen?
In meinem Buch finden Sie Wissenswertes darüber, wie divers wir in Europa über Diversität, Anderssein, aber auch über pluralistische Gesellschaften anhand des „imagined Jew“ als politischen Token reden können. Es wird anhand des Diskurses in den USA, Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien gezeigt, wie jüdische Figuren in Literatur, Politik und Theater, die jüdische Religion, aber auch jüdisches Leben einer Gesellschaft als Prisma dienen, um die Parameter für Themen wie Zugehörigkeit, politische und zivile Teilhabe und nationale Identität zu definieren. Es handelt aber auch davon, wie vielfältig die Motive – nicht nur des Antisemitismus, sondern auch der politischen Imagination – sind und wie genau sich diese in unserer alltäglichen Sprache manifestieren.

Hat Ihr Buch eine Geschichte?
Das Buch entstand aus einer von mir organisierten Tagung in Kooperation mit dem Jüdischen Museum London und der University of Aberdeen. Gefördert wurde es von der German Historical Society im Jahr 2022 während meiner Promotion an der Universität Aberdeen. Wir wollten, dass dieses Thema – gerade nach dem 7. Oktober 2023 – mehr Beachtung bekommt. Deswegen beschlossen wir im Herbst 2023, das Buch zwar in englischer Sprache, aber auf dem deutschen Buchmarkt zu veröffentlichen.

Warum ist Ihr Buch wie kein anderes?
Zum einen ist das Buch eines der wenigen, das hauptsächlich Beiträge von PhDs und Early Career Researchern beinhaltet. Zudem ist es das erste Buch, das das Konzept des „imagined Jew“ – von Alain Finkielkraut in den 1970er-Jahren definiert – für Westeuropa vergleicht, und es ist ein wunderbares Beispiel für akademische Kooperation zwischen Israel, Deutschland, den USA, Spanien und Großbritannien. Was es aber vor allem besonders macht, ist, dass es die Brücke zwischen akademischer und nicht-akademischer Welt schlagen kann.

Sie veröffentlichen im Universitätsverlag Potsdam – und damit open access. Warum?
Durch mein Studium der Jüdischen Studien an der Universität Potsdam habe ich eine besondere Beziehung zur Universität Potsdam und auch zur PaRDeS-Reihe, die durch ihre thematische Vielfalt und die Möglichkeit, als Promovierender neue, aber fundierte Forschungskonzepte zu präsentieren, unabdingbar ist. Open access passt meiner Meinung nach perfekt zu unserer Zeit, da wir eine stärkere transnationale Verbindung in den Jewish and Political Studies sowie eine Brücke zwischen der akademischen und nicht-akademischen Wissenswelt brauchen, um den neuen Antisemitismus nach 2023 besser zu verstehen und zu bekämpfen.

Wer sollte Ihr Buch lesen – und wann?
Vor allem Menschen, die sich derzeit „politisch heimatlos“ fühlen. Denn gerade diejenigen, die viel reflektieren und versuchen Widersprüche auszuhalten, müssen sich gesehen fühlen. Diejenigen, die sich von keiner Seite vereinnahmen lassen, noch offen für Nuancen sind und zugeben können, von einem Thema vielleicht keine Ahnung zu haben.

Was lesen Sie selbst?
Privat interessiert mich alles, was mir die Möglichkeit gibt, Neues über Kultur, Politik und Geschichte zu lernen. Ansonsten lese oder schaue ich auch gerne Krimis.

Was hat Spaß gemacht beim „Buchmachen“ – und was eher nicht?
An sich vor allem das Suchen von Kooperation, das Lesen und Redigieren der jeweiligen Texte sowie die Planung einer Buchvorstellung. Das Einzige, was ich nicht als positiv erachte, ist, dass man gelegentlich Absagen an seine Mitautoren geben muss.

Auf einer Skala von 1 bis 10: wie gut ist Ihr Buch?
Eigenlob ist immer so eine Sache, aber ich denke, dass wir – da es eines der ersten Bücher zu diesem Thema ist – von einer guten 8 sprechen können.

Und nun noch drei Sätze zu Ihnen …
Als Postdoc untersuche ich, wie das Verständnis und die Konfrontation mit Symbolen die europäische Integration sowie die transatlantische Zusammenarbeit stärken können. Mein Engagement bewegt sich dabei im Kontext von historischer Bildung, politischer Sprache, transatlantischer Ideengeschichte und jüdischer Geschichte.


„Zehn Fragen für ein Buch“ öffnet die Tür zum Potsdamer Universitätsverlag und stellt regelmäßig Neuerscheinungen vor. „Multitude of Western Traditions: The Imagined Jew in Europe and the North American Sphere from 1700 until the Present, 2026. (Pri ha-Pardes, Bd. 16)“ ist online hier (https://shop.verlag.uni-potsdam.de/shop/a-multitude-of-western-traditions/) bzw. hier (https://doi.org/10.25932/publishup-68895) verfügbar. Weitere Neuerscheinungen aus dem Universitätsverlag hier (https://shop.verlag.uni-potsdam.de/neuerscheinungen/).